Zusammenfassung Chile

Nach dem Grenzübertritt von Esquel kamen wir in Futaleufu an und ignorierten dort einen der anscheinend weltbesten Rafting-Spots und gingen gleich weiter nach Süden. In Santa Lucia angekommen konnten wir die Hälfte des Dorfes nicht mehr finden bzw nur noch unter Trümmern sehen. Es wurde etwa vor einem Jahr von einer gewaltigen Schlammlawine ausradiert. Eindrücklich und äusserst traurig. Das leben geht in der anderen Dorfhälfte weiter, zuweilen 10 Meter neben den Überresten der Schlammlawine und der anderen Dorfhälfte. Via Autostopp kamen wir mit viel Geduld und ziemlich mühsam nach La Junta und dann wieder mit Bussen nach Coyhaique (einer der wenigen grösseren Orte in diesem Teil Chiles) und schliesslich nach Cerro Castillo. Nachdem wir während unserer Reise Tipps für dieses neue und vielversprechende Gebiet erhalten hatten waren wir zufrieden uns auf dem Camping niederzulassen. Am nächsten Tag liess das Wetter kein Klettern zu aber Essen, Plaudern und Mate schlürfen (ja auch wir haben dieses kulturell tief verankerte Ritual des Bakterienaustauschs gepflegt) mit Locals war ein guter Ersatz. Die Sicht auf den Cerro Castillo (manchmal auch Fitz Roy von Chile genannt) und die umliegenden Berge ist sehr beeindruckend und es würde sich lohnen hier fürs Bergsteigen zurück zu kommen.

 

Vom Sportklettern waren wir nicht überaus begeistert und der Ort wird unseres Erachtens ein Bisschen zu fest gehypt. Oder anders gesagt, man sollte vorher nicht schon zu viele grosse Sportklettergebiete in Europa besucht haben. Während einige Sektoren sehr schön vom Dorf aus zu Fuss zu erreichen sind (15 – 90 min je nach Sektor) wäre man mit einem Fahrzeug dennoch besser beraten, weil es ermöglicht weitere Sektoren um Puerto Ibanez, Coyhaique oder auch Chile Chico zu besuchen. Der vulkanische Fels ist meistens etwas weniger solide als man das gerne hätte (diverse hohle Schuppen) und die Routen sind oft auf der kurzen Seite. Dennoch haben wir während 5 Klettertagen der Kletterei eine Chance gegeben. Besonders wer technisch betonte Kletterei sucht wird mit Verschneidungen, ein paar Rissen und feiner (zum Teil sogar reibunslastiger) Wandkletterei gut bedient. Steilere (Ausdauer-)Touren findet man hingegen nur wenige und nur in hohen Graden (ca ab 7c). Trotzdem wird uns eine schöne Boulderroute welche mit super Lochfels eher aus der Reihe tanzt, sehr gut in Erinnerung bleiben, weil Estelle dort ihre erste 7b-Flash Begehung verzeichnen konnte. Am letzten Klettertag fanden wir mit El Maitenal einen kleinen und einzigartigen Sektor mit genialem Konglomerat-Lochfels bei Puerto Ibanez. Besonders um Puerto Ibanez gibt es Felsbänder ohne Ende und es wartet dort wohl Potential für mehrere 1000 Routen.

 

Das wäre aber zu schön, denn es ist alles Privatland und nur ein Bruchteil davon ist nach viel diskutieren, verhandeln und auch bezahlen (!) dann zugänglich. Sehr schade. Uns zog es dann etwas früher als zuerst geplant weiter nach Süden. Nachdem keiner der versprochenen Busse aufgetaucht ist (das vielgelobte Busfahren in Südamerika ist wirklich nur zwischen grösseren Städten zuverlässig und spassig), waren wir aber mit Autostopp erfolgreich. Wobei erfolgreich heisst vor allem das wir überlebt haben. Die überaus nette und gesprächige Fahrerin ist wohl Fan von The Fast and the Furious. Nur schade gibt es auf der Caratera Austral vor allem Steine statt guten Belag und deshalb war unser Adrenalinpegel ziemlich hoch. Sehr spassig jedoch, dass wir praktisch alle Autos überholt haben die uns in der Stunde zuvor als Anhalter nicht mitnehmen wollten. Nach etwas Strandfeeling am Abend in Rio Tranquillo gingn wir uns am nächsten Tag die sehr touristischen aber lohnenden Marmorkathedralen anschauen. Die Weiterreise mit dem Bus (wir fanden spontan einen motivierten Fahrer) nach Chile Chico wurde dann die schönste und aussichtsreichste Fahrt unserer Zeit in Südamerika. Die Berge um den gigantischen Glaciar San Rafael sehen beeindruckend aus.

 

Nach der Zeit in El Chalten und einer 24 Stunden Busfahrt zusammen mit etwa 20 israelischen Militärabgängern (eine faszinierende Spezies!) zurück nach Bariloche wurden wir von Manu abgeholt und waren 2 Tage später bereit für die nächste Reise mit La Chanchita nach Chile.

Der Genzübergang bei Pucon anstelle von Osorno kann nur empfohlen werden. Die geringfügig längere Reisedauer wird durch die deutlich kürzere Wartezeit am Zoll mehr als kompensiert. Noch dazu ist die Landschaft äusserst sehenswert. Der Vulkan Lanin, welcher dem Nationalpark dort seinen Namen gibt ist eindrücklich und die rassige Skitour mit 2700 Höhenmetern Abfahrt haben wir uns vorgemerkt. Vor und nachdem Zoll fährt man zudem durch eine eindrückliche und fast prähistorisch anmutende Kolonie von Auracaria Bäumen. In Pucon angekommen steht man am Fusse des rauchenden und bildschönen Vulkans Villarica. Einen perfekten Blick auf diesen hat man auch badend vom See aus, sehr speziell. Da man ebenfalls mit Ski bis zum Gipfel könnte und dann direkt auf glühende Lava blicken kann, bietet auch dieser Vulkan ein super Skiziel.IMG_2749

Am nächsten Tag folgte eine lange Fahrt bis nach Linares und auf lange ansteigender Strasse bis auf etwa 2000 Meter hoch ins Klettergebiet Valle de los Condores. Das Gebiet ist wohl bereits jetzt das umfassendste Sportklettergebiet Chiles und das Potential ist weiterhin gross. Der sehr spezielle Sektor La Carcel mit den ästhetischen Basaltsäulen und der Sektor Huanacos del Sur mit seinen supersteilen Routen verhelfen dem Gebiet zu mehr und mehr Popularität. Des weiteren hat Adam Ondra kurz vor uns dem Gebiet einen Besuch erstattet aber bein unserer Ankunft war er schon abgereist und wir konnten ihm keine Tipps mehr geben.

 

Wir hatten im Chanchita Bus wiederum die bestmögliche Unterkunft und konnten nochmal eine Woche ohne Internet das ruhige Klettern und die wunderschöne Landschaft des Ortes geniessen. Es gibt unzählige Wasserfälle, die in anderen Ländern wohl als teuer zu bezahlende Tourismus Highlights verkauft würden und zwischen den Klettersessions findet man überall ideale Bademöglichkeiten. Während eine paar Wände zu kurz geraten sind bietet vor allem auch der Sektor Gran Pared qualitative Toprouten von 30 Metern Länge in genialem Basaltfels. Man findet immer einen Sektor für Sonne (davon gibt es hier viel) oder Schatten und auch das Angebot an einigen interessanten Tradrouten und Rissklettereien ergänzen die Sportkletterei perfekt. Zudem gibt es ein breites Angebot von 5a-9a. Neben meist flachen und gemütlichen Zustiegen gilt es eine knackige aber landschaftlich geniale Wanderung inklusive etwas heiklem Klettersteig zu absolvieren um den Sektor La Carcel zu erreichen. Das Gratistopo ist noch etwas rudimentär erlaubt einem aber trotdem sich gut zu orientieren.

 

Nach 6 Tagen nonstop Klettern trennten wir uns in Linares von Manu, Bengoa und La Chanchita und reisten mit dem Bus nach Santiago. Wie schon nach Piedra Parada befanden wir uns zurück in der harten Zivilisationsrealität. Nicht nur wurde uns mit „Thor Ragnarok“ einer der wohl schlechtesten Streifen des Filmschaffens abgespielt, er lief auch noch in Endlosschlaufe, 3 mal bis Santiago, was für eine Folter! In Santiago nützten wir ein paar Tage ohne aufregendes Programm für die Vorbereitung des zweiten grossen Teils unserer Reise in Neuseeland und Australien.

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