Zusammenfassung Argentinien

In Bariloche angekommen, fühlten wir uns wieder zurück in Europa. Nachdem wir in La Paz noch mit unserem Online Ticket zum Bus Terminal gingen und uns ein Typ mit Schreibmaschine bediente (der Leser, die Leserin mag schon vermuten, das unser Onlineticket also einzig dazu gut war jetzt hier diese Anektode erzählen zu können, denn wir mussten ein neues schreibmaschinen-konformes Ticket kaufen) gab es jetzt wieder diverse mehr oder weniger funktionierende Computer. Zudem wird in Chile und Argentinien nicht mehr rumgeschrieen um Sachen zu verkaufen. Der grösste Unterschied, vor allem zu La Paz, war aber das Überqueren von Strassen. Komplett verdutzt standen wir in Bariloche da als das Auto anhielt um us passieren zu lassen. Wir waren noch im Modus « renn so schnell wie du kannst um in den nächsten Schützengraben (sprich die andere Strassensseite) zu springen ». Auch für das Picknick und Essen taten sich wieder neue Möglichkeiten auf und wir assen nicht länger pollo y papa o arroz.

Nach zwei Nächten im gefühlt lärmigsten Hostel von Bariloche (wobei es dafür viele Anwärter gibt) begannen wir voll motiviert den Aufstieg zum Refugio Frey. Dank der freundlichen Auskunft von den Leuten vom Club Andino Bariloche kamen wir in den Genuss eines sehr respektablen Rucksackgewichts weil wir Steigeisen, Pickel und Bergschuhe umsonst hoch geschleppt haben. Der Aufstieg zur Hütte ist eher monoton aber vielleicht hätte man mit leichterem Rucksack einen positiveren Eindruck davon. Oben angekommen befindet man sich aber in einer wunderschönen Bergwelt mit See und vielen Felsspitzen und Türmen. Die Hütte ist super gelegen und für eine kleine Bezahlung kann die Infrastrukur benutzt werden auch wenn auf dem Gratis Camping verweilt. Die gemeinsame Küche ist ideal um abends mit den anderen Kletterern Tipps und Erlebnisse auszutauschen. Bei windigem und kaltem Patagonien-Wetter hatten wir während 4 Tagen einen super Start in den Kletterteil unserer Reise. Meistens super Fels, schöne Routen und eher harte Bewertungen. Jedoch war alles was wir geklettert haben sehr gut abzusichern und mit den Ocun Risshandschuhen konnten wir auch als komplette Rissneulinge das eine oder andere Mal solide klemmen. Viele Routen sind oft kurz und eigentlich erstaunlich, dass man sogar für einzelne Seillängen so viel Material hochschleppt. Meistens enden die Routen auf schönen Türmen und Gipfeln, die aus dem Geröllmeer herausragen. Die Sifuentes-Weber mit der herausragenden Schlusslänge und die Besteigung des Torre Principal, dem höchsten Gipfel der Gruppe, bei arktischen Bedingungen waren echte Highlights.

 

Zurück in Bariloche erkundeten wir die Möglichkeiten zum Sportklettern. Viele Sektoren sind zu Fuss und mit ÖV zu erreichen. Es gibt zum Teil aussergewöhnlichen und einzigartigen Fels, der aber nicht immer zu 100% solide ist. Ein paar Tage Sportklettern in Bariloche als Übergang ist lohnend bietet jedoch nicht genug für eine eigenständige Reise.

 

Anschliessend hatten wir die Gelegenheit im sagenumwobenen und absolut paradisieschen Valle Encantado zu klettern. Die abenteuerliche Flusstraverse, der perfekte Fels und der ruhige Ort sind kaum zu toppen.

 

Nach einem Erkundungstag mit dem 4×4 in der Wüste und der gefühlten Erstbesteigung eines eindrücklichen Felsturmes gingen wir dann mit Manu, Taylor, Bengoa (Manus Hund und treuer Begleiter sowohl im Fels, Schnee und Wasser) und La Chanchita nach Piedra Parada. Dies war die erste echte Sportkletterdestination unserer Reise. Es galt wieder in Form zu kommen, etwas Kraft aufzubauen und nach viel rumlaufen die übeflüssige Beinmuskulatur wieder loszuwerden. Das vulkanische Gestein ist ziemlich weich und oft sehr stark erodiert. Dies führt einerseits dazu, dass es diverse Griffe gibt, die man nicht zu fest belasten möchte andererseits aber auch zu dermassen vielfältigen Felsstrukturen, die wir trotz vieler Kletterferien noch nirgends sonst gesehen hatten. Der gesamte Canyon in dem geklettert wird bietet eine kaum überschaubare Anzahl an Wänden und Pfeilern. Es muss gesagt werden, dass der Fels meist schlecht ist und wohl kaum mehr als 1% davon beklettert wird. Dies reicht aber immer noch für 30 super Sektoren mit gutem Fels! Der Camping Platz von dem aus alle Sektoren zu Fuss erreicht werden ist enorm gross und jeder kann sich seinen Ort im Schutz der Bäume oder am Fluss aussuchen. Die Tierwelt ist auch reichhaltig vertreten. Während wir auf dem Camping von Kühen, Pferden, Hasen, Stinktieren (ich spreche hier nicht von den Kletteren, es gibt Douchen auf dem Camping) und sogar einem Skorpion (Estelle lies sich dieses Mal nicht mehr stechen) besucht wurden, hatten wir im Canyon das Privileg eine Schlange und die super flinken Chinchillas zu beobachten. Wir waren im Luxusbus La Chanchita untergebracht und konnten mit perfekter Küche und grossen komfortablen Betten auf eine optimale Regeneration nach den Klettertagen zählen. Der Kletterstil ist meist sehr Onsight freundich und es gibt eine tolle Auswahl zwischen senkrechten und stark überhängenden Routen. An Silvester mutierten wir zu Party-Poopern, gingen früh schlafen und konnten dafür gleich zu Beginn des neuen Jahres unsere Projekte knacken. Die Kraft kam zurück und die sportliche Ausbeute war für unsere Verhältnisse sehr zufriedenstellend. Mehrere 7bs für Estelle (zum Teil sehr anspruchsvoll für ihre grösse), ein paar gute Onsights und 7c für Michel. Zudem hat Michel die wohl leichteste 8a der Welt entdeckt. Nach 25 Metern genialer steiler Ausdauerkletterei wurde er im Onsight Versuch aber vom Schlussboulder doch noch abgeworfen. Abgesehen von 2 Mal dreissig Minuten Regen konnten wir während 10 Klettertagen auch durchwegs von idealen Bedingungen profitieren. Wir verliessen die wahrscheinlich beste Sportkletterdestination Argentiniens und nach einer letzten schönen Übernachtung bei der Laguna La Zeta oberhalb von Esquel mussten wir auf den La Chanchita Komfort verzichten.

 

Gepäck schleppen, auf Busse warten und Autostopp. Zurück in der harten Realität. Nach einigen Tagen in Chile (Cerro Castillo) kamen wir in Los Antiguos wieder zurück nach Argentinien. Der Nachtbus nach El Chalten liess uns noch einen Tag Zeit und weil gerade am Vortag das Fest der Kirsche stattgefunden hatte gab es auch noch genug Kirschen zu kaufen. Am sehr schönen Strand hat dann der dumme Michel dermassen viele Kirschen gefressen, das er wenig später den medizinischen Notfall von Los Antiguos besuchte um seine Bauchschmerzen wieder loszuwerden (wir vermuten es waren die Kirschen, aber wer weiss das schon). Als dort aber niemand anzutreffen war, hat uns dann ein weiteres Mal die Telefonkonferenz mit der Schweiz weitergeholfen und nach dem Konsum eines erquickenden Medikamenten Cocktails haben wir es gerade noch geschafft unseren Bus nach El Chalten zu erwischen.

Nach misslungener Hostelsuche haben wir uns dann auf dem Camping El Relincho niedergelassen. Wir verbrachten den ersten Tag mit mässigem Wetter um uns im kleinen aber sehr touristischen und lebhaften El Chalten zurechtzufinden und für den Folgetag bereits das angekündigte schöne Wetter zu nutzen. Wir wollten bescheiden starten und suchten uns den Mojon Rojo als erstes Ziel aus mit der Hoffnung eine gute Sicht auf Fitz Roy und Cerro Torre zu haben. Zuerst galt es aber ein paar wenige Stunden Schlaf zu finden. Dies war alles andere als einfach. Auf dem Campingplatz gibt es einfach zu viele Touristen, welche die ganze Nacht lautstark diskutierend zur Vorbereitung benützen um am nächsten Tag nach dem Ausschlafen, ihr Zelt und ein paar Biere schwer keuchend in der Mittagshitze eine Stunde zu einem Aussichtspunkt hochschleppen. Wir starteten dennoch um 5:30 Uhr am nächsten Tag und konnten schon bald den Fitz Roy und seine Trabanten, frisch verschneit im schönen Licht des frühen Morgens bewundern. Das Campo Poincenot glich einem bolivianischen Markt, Zelt and Zelt und viele wild durcheinander laufende Trekker welche dort übernachten. Kletterer sieht man kaum mehr, die bleiben im Dorf und gehen direkt zu den höher gelegenen Biwaks. Kurz nach dem Campo Poincenot bogen wir in ein einsames Seitental Richtung Laguna Sucia ein und waren urplötzlich alleine während hunderte von Leute zur Laguna de los Tres hochpilgern. Auch wer nicht bis auf den Mojon Rojo möchte, die Laguna Sucia kann jedem Wanderer empfohlen werden, ein echter Geheimtipp! Der Gletscherabbruch mit der anschliessenden Eislawine hinunter in den See bestätigte noch wie sehenswert dieser Ort ist. Nach etwa 6h des gemütlichen Gehens mit schweren Rucksäcken kamen wir beim Biwak Suiza an. Neben Unterschlupf unter einem grossen Block für mehrere Personen gab es einen einzigen aber perfekten Platz für unser Zelt. Perfektes, windstilles Wetter erlaubte es uns das Zelt schon aufzustellen und nach einer Pause entschieden wir uns gleich weiterzugehen und den Gipfel noch am gleichen Tag zu probieren. Weil der Schnee auf dem Gletscher schon deutlich zu weich war (14 Uhr) haben wir Bekanntschaft gemacht mit ein paar Gletscherspalten. Der anschliessende Aufstieg über instabilis Blockgelände war ein Bisschen unetspannt weil uns der Gletscherabstieg später noch bevorstand. In der Schweiz hätten wir den Gipfelaufstieg wohl auf den nächsten Tag gesetzt, hier hingegen war wir bereit ein etwas höheres Risiko einzugehen um das kostbare gute Wetter zu nützen. Eine Tendenz die bei Vielen in El Chalten festzustellen ist und sicher auch mitverantwortlich für diverse Unfälle. Dennoch als wir nach dem finalen Gipfelboulder (nicht absicherbar, 5m, senkrecht) auf dem Gipfel standen war dieser Ort einfach überwältigend. Wir sahen den Cerro Torre zum ersten Mal und daneben gibt es unzählige weitere eindrückliche Gipfel. Zudem hätte das Wetter nicht besser sein können und wir waren so spät, um 15h30, die Einzigen Alpinisten vor Ort, was für ein Erlebnis! Der Abstieg verlief dann deutlich besser als erwartet (wohl auch weil wir beim Aufstieg schon in alle Spalten getreten sind und diese jetzt sichtbar waren) und nach einer herrlich ruhigen Nacht im Zelt-Biwak (das Murmeltier Estelle hat es auf fast 12h Stunden Schlaf gebracht und den Sonnenaufgang strikt ignoriert) begaben wir uns danach zurück ins Getümmel der Treckingroute und zurück nach El Chalten. Ein gelungener Start!

 

Traurig aber wahr, danach gab es bereits kein Schönwetterfenser mehr und es war unmöglich etwas ambitioniertere Kletterziele anzugehen! In den nächsten Tagen konnten wir also die klassische El Chalten Erfahrung machen und versuchten eine Beschäftigung zu finden während wir wieder auf ein Schönwetterfenser warteten. Die ersten Tage ging das noch sehr gut und wir konnten diverser Sportkletter-Sektoren testen. Der Fels ist ordentlich kletterbar aber leider nicht so gut wie oben an den Gipfeln. Dennoch haben wir uns vor allem im Sektor Platea sehr gut amüsiert und im Sektor Calamar ist man vor Wind und Regen geschützt. Der Sektor Vescho Wall ist gleich neben dem Dorf und war für uns in 5 Minuten zu Fuss zu erreichen. Es gibt qualitativ gute, eher anspruchsvolle Routen und wir fanden ein schönes, schweres Projekt. Gerade zum rechten Zeitpunkt konnten wir dann zu Cristina (Bekanntschaft und jetzt Kollegin vom Klettern in Frey) in das super Kletterhostel (lo de Trivi) einziehen. Dort schläft man super, nicht zu vergleichen mit dem Camping. Der Wind wurde jetzt von Tag zu Tag brutaler. Anfangs versuchten wir nocht zu klettern, hatten aber mehrere Stürze rein wegen des Windes zu verzeichnen (eigenltich kein Wunder wenn man auch Leute beobachtet die vom Trotoir fallen) und mussten unser Projekt aufgeben. Auch Bouldern (es gibt ein paar tolle Blöcke) war nicht mehr möglich und nach einer letzten kleinen Wanderung verbrachten wir unsere Zeit dann auch im Hostel und beobachtenen wie Kletterer versuchen mit dem langsamen Internet jede Stunde wieder das Wetter zu checken und einer nach dem anderen in kleinere oder grössere Depressionen verfällt. „Der Wind ist einfach immer da, Tag und Nacht, es hört nicht auf. Man sitzt in El Chalten und wartet auf bessere Zeiten. Es ist wie Geld verbrennen“, so gehört von Alt-Eingessessenen El Chalten Kletterern. Nach einem Tagesausflug nach El Calafate und der Besichtigung des berühmten Perito Moreno Gletschers (am besten nimmt man dort ein Bier und gutes Picknick mit und beobachtet die ins Wasser stürzenden Eismassen) konnten wir dann zurück in El Chalten beobachten wie sich Campingplätze zu Zeltfriedhöfen verwandelten und ein kurzer Ausflug in die Wafleria oder Chocolateria waren noch die Highlights. Ein hartes und zuweilen auch trauriges Pflaster, das Bergsteigen in El Chalten. Während unserer kurzen Zeit dort gab es 4 Todesfälle, ein Schwerverletzter bei einer versuchten Bergungsaktion und kleinere Sachen wie ausgekugelte Schultern. Die kurzen Schönwetterfenser, das harsche Wetter und die Unmöglichkeit Jemanden aus einer Wand zu retten, machen dieses Gebiet so ernsthaft.

 

Die letzten 2 Tage unernahmen wir noch einen Versuch den Gipfel Loma Blanca zu besteigen. Aber auch bei diesem einfachen Gipfel wurden wir vom Wind und vereisten Felsen ausgbremst. Immerhin hatte unser Zelt dem Wind in der Nacht im Biwak standgehalten. Wir hätten uns den Gipfel mit Aussicht auf das gewaltige Inlandeis sehr gewünscht. Trotz der wetterbedingten Vorbehalte sind die Gipfel hier so schön und einzigartig, das wohl auch wir eines Tages zurückkommen werden um noch mehr Geld zu verbrennen.

 

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